Ich musste mich gestern Abend einige Male fremdschämen, als ich die neue Sendung “Schluss mit Hotel Mama” auf Kabel 1 gesehen habe. In der Sendung geht es darum, dass Eltern ihre bereits erwachsenen “Kinder” aus den eigenen vier Wänden verbannen und mehr oder weniger ins kalte Wasser schmeissen. In Stunden, in denen das Kind mit Abwesenheit glänzt, wird kurzerhand das Jugendzimmer in einem vor der Tür parkenden Umzugsvan verpackt und der Rausschmiss vorbereitet…
Wenn das Kind dann von seinen Freunden oder was auch immer zurückkommt, gibt es den Schock. “Schau mal in Dein Zimmer…” locken die Eltern geschickt ihren Sohn Andreas (27) in das leergeräumte Zimmer. “Ui, hier ist ja alles leer…, scheisse…”. So oder ähnlich war die Reaktionen des jungen Erwachsenen. Die Eltern drücken Andreas dann noch einen Umschlag mit dem neuen Wohnungsschlüssel und ein bisschen Startkapital in die Hand und ab die Post. Andreas stand auf der Straße ^^
Nun fuhr der Tischler-Azubi (heimischer Elternbetrieb) mit einem vollgepackten Umzugswagen und keinem Plan von nichts zur neuen Wohnung. Auch Freunde haben komischerweise alle keine Zeit zum helfen. Kann einem schon Leid tun, aber das Leben muss ja weitergehen :) Nachdem Andreas alles eingeräumt hat, ging es darum erstmal etwas zu essen. Eine Dose Ravioli sollte reichen. Das Problem ist nur eine solche Dose ohne entsprechenden Dosenöffner zu öffnen. Prompt wurde das eigene Werkzeug zum Öffnen der Dose mißbraucht. Die Dose wurde dabei leicht in Mitleidenschaft gezogen, das Ravioli fand letztendlich aber doch den Weg in den Topf :) Lustige Aktion. Andreas schmiedete den ersten Plan für den nächsten Tag, welcher “Dosenöffner besorgen” lautete…
Die Rausgeschmissenen werden zur Anfangszeit immer vom Psychologen Michael Thiel gecoacht, sodass sie zumindest eine geringe Überlebenschance haben und die neue Herausforderung in den Griff bekommen. Als erstes wurden die Einnahmen und Ausgaben à la Peter Zwegat gegenüber gestellt. Und schneller als Andreas dachte, öffnete sich ein enormes finanzielles Loch, welches es unbedingt zu stopfen galt. Die Rechnung hatte in etwa das Ergebnis, dass Andreas sich prinzipiell alles leisten konnte, was er sich vorher auch geleistet hat. Auto, Handy, Partys, Rauchen und was weiß ich nicht alles. Er hätte halt nur ohne Strom, Gas und Wasser unter einer Brücke schlafen müssen und hätte dabei keine Nahrung aufnehmen dürfen. Sprich: Das Geld reicht vorn und hinten nicht. Eine eigene Wohnung ist kein Pappenstiel. Es musste ein Job her…
Andreas hat gerne mit Autos zu tun, also heuerte er in einer Waschstraße an, um dort den Autos bewaffnet mit Schrubber und viel wenig Geschick neuen Glanz zu verleihen. Andreas tat sich ungemein schwer, seine Körperhaltung und der Umgang mit den Kunden ließ stark zu wünschen übrig, langsames Arbeiten ohne den nötigen Elan rundete den Probetag in der Waschstraße ab. Andreas Fazit: “Die Kunden haben nicht gemeckert, also war es gut…”. Die Waschstraßenleiter sahen das ganze etwas anders, da Andreas einfach viel zu langsam und sehr unbeholfen war. Also sozusagen der zweite Rausschmiss. Andreas nahm es jedoch gelassen und blickte nach vorne. Das fand ich gut, obwohl ich das Grinsen noch im Gesicht hatte…
Also kein Job in der Waschstraße, aber Andreas zeigte plötzlich ungeahntes Engangement und die passende Eigeninitiative zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als er im Praktiker Baumarkt für die Wohnungsausstattung einige Besorgungen vornahm, fragte er in der Holzabteilung beim Zuschnitt nach einem Nebenjob. Er wolle sich etwas dazuverdienen und würde sich sehr freuen hier arbeiten zu können. Gesagt, getan. Am nächsten Tag um Punkt 8:00 Uhr stand Andreas auf der Matte. An die Säge sollte man ihn zwar noch nicht alleine lassen, andererseits verrückte er (wie Frauenbeim Handtaschenkauf in Nussloch) Europaletten in der Laminatabteilung und sorgte mit dem nötigen Willen für Ordnung in den Regalen. Das war gut. Den Job hatte er sicher.
Endlich stimmt die Kohle. Da der Psychologe Thiel seinen “Fall” Andreas in der Arbeitskluft wesentlich ansprechender und selbstbewusster fand als in seinem normalen und ziemlich legeren Kleidungsstil, ging es ab zu H&M, um schnell noch neue Klamotten zu besorgen. Neue Schuhe, neue Buchse, neues Shirt, neues Sakko/Jacket und Hut ließen den 27-jährigen kaum wiedererkennen. Ich sag mal so: Es sah zwar besser aus als vorher, aber so ganz passte es meiner Meinung nach nicht. Zumindest den Hut hätte ich beim späteren Elternbesuch in der Wohnung nach einiger Zeit mal bei Seite gelegt. Bei diesem Treffen entschied sich Andreas übrigens dazu das neue Leben fortsetzen zu wollen. Es ging also nicht zurück ins Hotel Mama, sondern Andreas entschied sich dafür auf den eigenen Beinen stehen zu wollen. Gute Entscheidung. TV-Blogger wünscht viel Glück…